In Bütgenbach bald die erste Kunstrasenhalle Ostbelgiens

Infrastrukturprojekt

Die Projektautoren haben sich ein Bild der Max-Schmeling-Halle in Berlin gemacht. Die Sportstätte könnte aufgrund ihrer Funktionalität als Vorbild dienen. Es versteht sich von selbst, dass die Zuschauerränge in Bütgenbach deutlich kleiner ausfallen würden. | Foto: dpa

Nachdem Elsenborn das Biathlonzentrum sowie den Kunstrasenfußballplatz zugesprochen bekommen hat, schaut Bütgenbach in die Röhre. Doch nicht für lange Zeit: Wie das GrenzEcho in Erfahrung bringen konnte, wird die Reithalle am Gelände des FC Bütgenbach zur ersten Kunstrasen-Sporthalle Ostbelgiens umfunktioniert.

Von Allan Bastin

Seit Monaten kämpfen der USFC Elsenborn und der FC Bütgenbach um einen Kunstrasenplatz auf ihrem jeweiligen Fußballgelände. Bekanntlich gesteht die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft jeder Gemeinde nur einen Platz dieser Art zu. Schließlich bezuschusst die Institution ein solches Vorhaben in Höhe von 60 Prozent der Gesamtkosten.

Die Kostenschätzung beläuft sich derzeit auf 550.000 Euro.

Der Ball lag also beim Bütgenbacher Gemeindekollegium, das eine definitive Wahl zwischen beiden Ortschaften treffen musste. Die Konsensfindung gestaltete sich als schwierig, schließlich saßen mit Stephan Noel ein Elsenborner und mit Charles Servaty, der Vizepräsident des FC Bütgenbach am Tisch.

Entsprechend hitzig verliefen die Diskussionen am Kollegiumstisch, doch schlussendlich konnten sich die politischen Verantwortlichen der Gemeinde Bütgenbach zu einem interessanten Kompromiss durchringen: Während Elsenborn/Herzebösch mit dem neuen Biathlonzentrum und einem anzulegenden Kunstrasenplatz zum Mekka der Freiluftsportarten werden soll, wird in Bütgenbach mit der Errichtung einer Kunstrasenhalle eine ostbelgienweite Premiere gefeiert.

Wobei die Bezeichnung „Errichtung“ nicht zu 100 Prozent zutrifft, schließlich stehen die Grundmauern des Objektes der Begierde bereits. Lange Zeit hat die Gemeinde nach einer Bestimmung für die Reithalle an der Hofstraße in Bütgenbach gesucht. Einige Geräte des Bauhofs sind derzeit dort untergebracht und vor einigen Wochen wurden noch Karnevalswagen auf dem sandigen Unterboden gebaut. Jetzt scheint also eine Lösung parat zu sein.

Die Kostenschätzung für den Umbau zur Kunstrasenhalle beläuft sich auf 550.000 Euro. Infrastrukturmaßnahmen werden von der DG-Regierung zu 60 Prozent bezuschusst. So auch in diesem Fall. Den Restbetrag müssten sich Gemeinde und FC Bütgenbach teilen. Doch könnte ein weiterer Partner hinzukommen. Seit längerer Zeit beschäftigt sich die Interessengemeinschaft (IG) Bütgenbach-Berg mit der Idee eines neuen Dorfsaals. Das geht auch aus einem Fragebogen hervor, der in diesen Tagen in Bütgenbach verteilt wurde. In der Vergangenheit hatten die Verantwortlichen mit dem Gedanken eines Dorfsaals in der alten Reithalle gespielt. Der Kreis würde sich somit schließen. Am heutigen Abend kommt die IG im Café des Sports zusammen. Dann möchten sich die Mitglieder über eine mögliche Beteiligung am Projekt Kunstrasenhalle aussprechen. Wohlbemerkt müsste im Falle einer Zusage, eine besondere Bodenvorrichtung, eingeplant werden. Damit der Kunstrasen bei Veranstaltungen nicht beschädigt wird. Die Kostenschätzung müsste dementsprechend angepasst werden.

Die Kunstrasenhalle könnte auch als Dorfsaal fungieren.

Mit einem Baubeginn ist frühestens Anfang des nächsten Jahres zu rechnen. Bis zum Winter 2020 wollen die Verantwortlichen das Projekt abschließen, denn zur offiziellen Eröffnung schwebt den Partnern Großes vor. Wie in Deutschland üblich, finden während der Winterpause einige große Hallenturniere statt, die live im Fernsehen übertragen werden. Früher wagten sich noch aktive Profispieler auf das künstliche Grün. Doch mittlerweile haben die Vereine dem Einhalt geboten, sodass sich die Veranstalter anderweitig nach Attraktionen umschauen mussten. So finden seit einigen Jahren sogenannte „Traditionsmasters“ statt. Bei diesen Turnieren treten bekannte Mannschaften mit ihren früheren Fußball-Legenden an.

Ein solches Turnier soll zur Einweihung der Kunstrasenhalle auch in Bütgenbach stattfinden. Sowohl Bundesligisten als auch Vereine aus der belgischen Pro League sollen angeschrieben werden. Dem Vernehmen nach, haben die Kollegiumsmitglieder schon ihre Präferenzen geäußert. Die AS Eupen soll nicht dazu gehören, heißt es.

Doch stellt sich an dieser Stelle die Frage nach der späteren Nutzung der Halle. Trotz Trainingseinheiten des FC Bütgenbach und eventuellen Veranstaltung der IG Bütgenbach-Berg bzw. anderer Dorfvereine wird die Sportstätte vorerst nicht komplett ausgelastet sein.

Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren ist, habe das Zentrum Worriken bereits konkretes Interesse an einer direkten Zusammenarbeit bekundet. Fußballmannschaften aus der 1. Division oder der Bundesliga könnten ihr Wintertrainingslager dort abhalten und gleichzeitig in Worriken nächtigen.

Außerdem fand im letzten Jahr die Europameisterschaft im Segway-Polo auf dem Kelmiser Kunstrasenplatz statt. Als winterliche Indoor-Alternative könnte Bütgenbach fungieren. So würde Ostbelgien regelrecht zur Segway-Polo-Hochburg, was sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal in Europa sein dürfte und in die Standortmarketingstrategie der hiesigen Regierung passen könnte.

Letztes Jahr fand in Kelmis die Segway-Polo-EM statt. Die Möglichkeit besteht auch bald in Bütgenbach.
Die alte Reithalle dürfte bald zu einer modernen Kunstrasenhalle umgebaut werden. | Foto: GE-Archiv

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