„Gelbwesten“ sammeln in Burg-Reuland tonnenweise Müll

Frühjahrsputz

Über 1.000 Freiwillige waren am Samstag und am Sonntag in der Gemeinde Burg-Reuland im Rahmen der Aktion „Saubere Gemeinde“ auf den Beinen. | Foto: Gerd Hennen

Wie in vielen anderen Gemeinden der Region und der gesamten Wallonie wurde auch in Burg-Reuland am Samstag die Aktion „Saubere Gemeinde“ durchgeführt. Über 1.000 „Gelbwesten“ waren auf den Beinen, um die Natur von Unrat zu befreien.

Von Gerd Hennen

In Zeiten der Klimaproteste scheint sich allmählich das Bewusstsein der Menschen für Umweltschutz und gegen Umweltverschmutzung zu schärfen. Dennoch mussten die Müllsammler, die das Erbe des in den 1990er Jahren ins Leben gerufenen Umweltmaskottchens „Reuli“ wahren, auch bei der diesjährigen Auflage erneut tonnenweise achtlos weggeworfenen Müll aus den Straßengräben, Böschungen und Fluren auflesen.

Die Müllsammler – darunter nicht wenige, die sich bereits seit Jahren aktiv für eine saubere Gemeinde Burg-Reuland einsetzen – sprachen lediglich von einer leicht spürbaren Verbesserung der Lage.

Am Samstag kamen 175 Mülltüten und fünf Tonnen Sperrmüll zusammen

Dies war aber vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass die Hauptverkehrsstraßen vor einigen Wochen bereits durch die Mitarbeiter des Hof Peters im Auftrag der regionalen Straßenverwaltung gründlich gesäubert wurden. Über 1.000 Kinder, Jugendliche und umweltbewusste Erwachsene (750 angemeldete Bürger sowie 320 Schüler der Gemeindeschulen) sorgten dennoch für einen gelungenen Frühjahrsputz und ließen sich bei ihrer doch als Sisyphus-Arbeit einzuschätzenden Aktion zu keinem Zeitpunkt entmutigen. „Natürlich kann man nur den Kopf schütteln, wenn man sieht, was alles im Laufe eines Jahres in der Natur entsorgt wird, aber wir werden uns nicht entmutigen lassen“, war aus Teilnehmerkreisen zu hören.

Bei der Analyse des gesammelten Mülls wurde das Problem des Transitverkehrs deutlicher denn je. So lagen achtlos weggeworfene Getränkebüchsen, Glas- und und PET-Flaschen fast im Metertakt in den Straßengräben. Alleine am Samstag wurden 64 blaue Mülltüten (Büchsen und Flaschen) sowie 111 Sperrmülltüten zusammengetragen wurden. Hinzu kamen noch über fünf Kubikmeter größeren Sperrmülls. Die Müllsammler staunten vielerorts nicht schlecht über die weggeworfenen Sachen: Kot in der Tüte, vergammeltes Fleisch in Gefriertüten, Plastikschläuche, ja selbst Wrackteile von havarierten Fahrzeugen. „Es wird langsam Zeit, dass die Menschen mehr an die Umwelt denken, denn wir sitzen ja alle auf demselben Ast, den wir gerade dabei sind abzusägen“, so eine junge Sammlerin. Bürgermeisterin Marion Dhur, die zusammen mit ihren Ratskolleginnen und -kollegen alle vorab angemeldeten 43 Gruppen besuchte, sprach zurecht von einem tollen Erfolg im Dienste des Umweltschutzes. Der Süden Ostbelgiens mit dem idyllischen Our- und Ulftal gehört zweifelsohne zu den touristischen Aushängeschildern der DG, die mit einer intakten Naturlandschaft und Sauberkeit Tourismuswerbung auf Hochglanzflyer macht. Da passe Müll, Unrat und Schrott nicht ins Bild, so die Teilnehmer der Sammelaktion. Es war aber auch eine gewisse Ohnmacht spürbar. „Wir kommen jedes Jahr hierhin, sammeln was das Zeug hält und fahren den gesammelten Müll zum Containerpark. Es dauert aber keine zwei Tage, bis sich die Straßengräben wieder mit Büchsen, Glas- und PET-Flaschen füllen. Ich bin‘s langsam leid“, erklärte ein Jugendlicher aus Oudler.

Auch in Thommen kam jede Menge Unrat zusammen, wie man auf dieser Aufnahme nach getaner Arbeit feststellen kann.

Vielfach wurde der Wunsch nach drakonischen Strafen für Umweltfrevler laut. „Es muss den Menschen im Portemonnaie wehtun: Erst dann kommt es zu einem Umdenken.“ Auch wünschten sich viele Jugendliche ein einheitliches europäisches Mehrweg- oder Pfandsystem, um das Problem von achtlos weggeworfenen Getränkedosen und -flaschen zu reduzieren. „Wir leben im Dreiländereck – in Deutschland wird nur sehr selten eine Flasche oder eine Büchse in die Prärie geworfen. Das geschieht nur hier in Belgien, wobei die Büchsen fast ausschließlich aus dem Großherzogtum stammen. Gäbe es Pfand auf die gesammelten Büchsen, so könnten wir heute eine fette Party feiern“, so ein Jugendlicher aus Espeler.

Unangefochtener Sieger bei den Büchsen war Red Bull, gefolgt von Jupiler. Bemerkenswert sicherlich auch die Tatsache, dass offensichtlich viele alkoholischen Getränke während der Autofahrt konsumiert werden. So entdeckten Müllsammler zwischen Oudler und Thommen im Straßengraben fünf leere Schnapsflaschen von jeweils einem Liter „aus dem Ländchen“. Somit liegt der Verdacht nahe, dass diese Flaschen aus Gründen der Beweismittelvernichtung in den Straßengräben landen.

Allerdings stellten die Teilnehmer mehr und mehr Plastikmüll auf den Wiesen und Feldern fest. Plastikplanen von Silage aber auch der als sich selbst zersetzend gepriesene „Mais-Plastik“ ernteten die Kritik der Sammler. „Es kann doch nicht sein, dass dieser Plastik in den Stachelzäunen der Wiesen herumflattert. In Feldern, in denen vor zwei bis drei Jahren Mais unter Plastik angebaut wurde, fanden wir noch immer riesen Stücke.“ Neben den Landwirten wurden auch die Abfalltransporte zum Containerpark nach Oudler als Ursache ausgemacht, da aufgrund mangelhafter Ladesicherung vieles vom Anhänger herunterfalle und somit in der Natur lande. Als Fazit wurde deutlich, dass die Maßnahme des „Müllsammelns“ unbedingt fortgesetzt werden müsse; so dürfe man sich als Umweltaktivist nicht entmutigen lassen und müsse darauf hoffen, dass sich die Aktion in einigen Jahren aufgrund des kategorischen Umdenkens der Gesellschaft erübrige.

Für alle Teilnehmer gab es kostenlos Fritten und Hamburger

Für die Logistik zeichneten die Wallonische Region und der Zweckverband AIVE verantwortlich. Sie stellten den verschiedenen Sammelgruppen auf Anfrage Mülltüten, Handschuhe sowie Picker zur Verfügung. So konnte die Mülltrennung sofort beim Sammeln erfolgen und für eine schnelle Entsorgung im Recycling-Park in Oudler gesorgt werden. Mit Traktoren, Anhängern, Lieferwagen, Pkw und auch Pick-Ups waren die verschiedenen Ortsgruppen während des ganzen Tages unterwegs, um den achtlos weggeworfenen Müll zu sammeln und diesen zum Altstoffdepot nach Oudler zu bringen, von wo er dann der Wiederverwertung zugeführt wird. Riesenüberraschungen blieben den Teilnehmern in diesem Jahr glücklicherweise erspart. Als Belohnung für die Mühen spendierten die Fritüren Hohenbusch und Wanglak Fritten und Hamburger.

Aktion „Saubere Gemeinde“ in Burg-Reuland

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