SP: Für „Boom“ im Sozialbereich gesorgt

Gemeinschaftswahlen

Neueinsteigerin: Die 37-jährige Psychologin Céline Kever aus Büllingen kandidiert auf Platz zwei der SP-Gemeinschaftsliste. | Foto: David Hagemann

Die SP will bei den anstehenden Gemeinschaftswahlen am 26. Mai den fünften Sitz zurückerobern, den die Partei vor fünf Jahren verloren hatte. Das ist das erklärte Ziel, wie die Kandidaten um Spitzenkandidat Antonios Antoniadis am vergangenen Samstagmorgen bei der Vorstellung der PDG-Liste an der Eupener Wesertalsperre erklärten.

Von Christian Schmitz

Die Kandidatenliste war bereits im Vorfeld durch eine Veröffentlichung auf der Website der frankofonen Sozialisten (PS) an die Öffentlichkeit geraten, sodass alle Namen schon feststanden. „Was so gut ist und bereits vor vielen Wochen beschlossen wurde, kann man nicht so lange geheim halten“, schmunzelte Regionalpräsident Matthias Zimmermann, der Spitzenkandidat für die SP bei den Europawahlen ist und auf der PDG-Liste auf Rang sieben antreten wird. Spitzenkandidat für die Wahlen zum Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist dagegen Sozialminister Antonios Antoniadis.

Antoniadis: SP zum„Core business“, also zu ihrem Kerngeschäft, zurückgekehrt.

Er gehe mit einem guten Gefühl in die Wahlen, weil man in Ostbelgien im Sozialbereich einen regelrechten „Boom“ ausgelöst habe, erklärte der 33-jährige Minister selbstbewusst im GrenzEcho-Interview. „Wir haben gute Arbeit geleistet. Ich habe als jüngster Minister in der Regierung die größte Verantwortung übernehmen müssen, unter anderem wegen der vielen neuen Zuständigkeiten. Wir haben viele Weichen stellen können, nicht nur in der Sozialpolitik“, fügte er hinzu. Vor fünf Jahren hatte die SP nach dem Verlust des fünften Sitzes entschieden, mit dem Sozial- und Gesundheitsbereich wieder ein Fachressort zu übernehmen. Für Antoniadis war dies eine richtige Entscheidung. Die SP sei zum „Core business“, also zu ihrem Kerngeschäft, zurückgekehrt.

Weil seine Arbeit aber noch nicht beendet sei und im Sozialbereich noch einiges im Argen liege, möchte er gern als Minister in genau diesen Politikfeldern weitermachen. Wichtig sei, dass man nicht – wie die CSP – nur Probleme benenne, sondern auch Lösungen finde. „Wir brauchen Stabilität. Deshalb möchte ich Sozialminister bleiben.“ Weil die Partei bei den Wahlen 2014 vor allem in der Eifel Federn lassen musste, habe man einige „interessante“ Kandidaten aus dem Süden der Gemeinschaft rekrutiert, hieß es.

Auf Platz zwei tritt mit Céline Kever ein „Eifeler Mädchen“ an: Die 37-Jährige stammt aus Büllingen und arbeitet als Psychologin. Sie wisse von ihrer Arbeit, dass sich die Menschen nach Sicherheit sehnten – Sicherheit in allen Bereichen. Und daran wolle sie auch im Parlament arbeiten. „Ich möchte ein offenes Ohr für alle Menschen haben“, sagte sie dem GrenzEcho.

Für die einen bedeutet eine Kandidatur das erste Mal, Karl-Heinz Lambertz (66) tritt dagegen jetzt schon zum neunten Mal für das heutige PDG an, erstmals seit den Wahlen 1990 jedoch nicht mehr als Spitzenkandidat der SP. Lambertz blickt auf eine lange Karriere als Minister, Ministerpräsident und Parlamentspräsident zurück und übt zurzeit das Amt des Gemeinschaftssenators aus. Ein alter Haudegen ist auch Edmund Stoffels als Listendrücker auf Platz 25: Mit 62 Jahren zieht der Ameler einen Schlussstrich unter seine Karriere in Namur, wo er 32 Jahre tätig war – 20 Jahre davon als deutschsprachiger Abgeordneter im Regionalparlament. „Ich bringe also viel Erfahrung mit zurück in die DG und möchte diese nutzen, um bei Kompetenzübertragungen behilflich zu sein.“ In der Raumordnung und im Wohnungswesen beispielsweise gehe es darum, die Regelwerke auf die Bedürfnisse der Menschen in Ostbelgien zuzuschneiden.

Etwas überraschend ist hingegen die Kandidatur von Jean-Luc Velz auf Platz 14: Der 44-jährige Weywertzer hatte dem PDG bereits zwischen 2010 und 2012 für die SP angehört, war dann aber zurückgetreten, weil er das Mandat nicht mehr mit seinem Beruf und seinem Privatleben vereinbaren konnte. Die Zeiten haben sich aber geändert: Inzwischen ist er selbstständig und kann sich seine Tätigkeiten besser einteilen.

Auch seine Kinder sind älter geworden, sodass unter dem Strich mehr Zeit für die Politik bleibt. Jean-Luc Velz ist für die Fraktion „Für deine Gemeinde“ (FDG) auch Oppositionsführer im Gemeinderat von Bütgenbach.

Die Liste mache deutlich, dass die SP eine Verjüngung anstrebe, meinte Matthias Zimmermann. Ein Viertel der Liste sei jünger als 30 Jahre, und die ersten zehn Listenkandidaten hätten einen Altersdurchschnitt von 33 Jahren. „Das zeigt, dass wir es ernst meinen. Die Jungen werden nicht irgendwo hinten auf der Liste als Alibi platziert“, so Zimmermann.

Beeindruckendes Plädoyer für das Miteinander von Jung und Alt und die Aufwertung des Lehrerberufes.

Tatsächlich zeigten sich auch die Neueinsteiger bei der Listenvorstellung motiviert und überließen nicht den bewährten Kräften das Feld. So ergriffen die beiden 19-jährigen Lothar Faymonville (Büllingen) und Sharmaine Staner (Weveler) neben aktuellen Gemeinschaftsabgeordneten wie Charles Servaty, Marcel Strougmayer und Kirsten Neycken-Bartholemy selbstbewusst das Wort. Ein beeindruckendes Plädoyer für das Miteinander von Jung und Alt und die Aufwertung des Lehrerberufes hielt Sandra Mentenich-Huppermans aus Lontzen. Die 48-Jährige ist Schulleiterin an der Städtischen Grundschule Oberstadt (SGO) und kandidiert erstmals für das Gemeinschaftsparlament.

Die SP geht mit dem Motto „Gutes Leben für jeden“ in den Wahlkampf. „Das heißt, dass es sich in Ostbelgien gut leben lässt, und daran möchten wir weiter arbeiten.“ Die Politik, auch die Autonomie, müsse im Dienste der Menschen handeln und maßgeschneiderte Lösungen finden. Das Wahlprogramm beruht auf den vier Pfeilern Gerechtigkeit, Sicherheit, Familie sowie Fortschritt.

Gruppenfoto der Kandidaten der SP für die anstehenden Gemeinschafts- und Europawahlen. Spitzenkandidat ist Minister Antonios Antoniadis (Mitte). | Foto: David Hagemann
Von Namur nach Eupen: Edmund Stoffels | Foto: David Hagemann
Überraschendes Comeback: Jean-Luc Velz (Mitte) | Foto: David Hagemann

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