517. Laetare: „Der schönste Karneval Belgiens“

Folklore

Auge in Auge mit einem Blanc Moussi: Solche Begegnungen flößen Respekt ein. | Foto: Herbert Simon

Die geschichtsträchtige Stadt Stavelot strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. „Wir haben den schönsten Karneval Belgiens“, sagen die Ausrichter nicht ohne Stolz. Die 517. Ausgabe am vergangenen Wochenende sollte ihnen wohl Recht geben.

Beim Willkommensgruß der Ehrengäste am Sonntagvormittag im Festzelt im Hof der früheren Abtei von Stavelot gab der Vize-Präsident des Festkomitees, Jean-Marie Marquet, unmissverständlich die Richtung vor: „Wir haben unserem Mittfastenkarneval ein Lifting verpasst.“

Stavelot ist seit jeher die Hauptstadt des Laetare.

Vor allem nach den weniger guten Erfahrungen im vergangenen Jahr, als die Parade vor lauter Verzögerungen erst in der Abenddämmerung zu Ende ging, sahen sich die Gastgeber veranlasst, mehr Ordnung in den Umzug zu bringen. „Stavelot ist die Hauptstadt des Laetare“, heißt es in der Werbung im In- und Ausland.

Damit allerdings dieser ehrgeizige Anspruch auf Qualität auch weiterhin erfüllt werden kann, sollten einige Neuerungen den Straßenkarneval auffrischen und zuschauerfreundlicher gestalten, so etwa ein ein paar Gruppen weniger, ein paar Dezibel Lautstärke weniger auf den Wagen oder mehr Fluss beim Ablauf des etwa zweistündigen Defilees durch die Straßen der Stadt sowie nicht zuletzt eine längere Zugstrecke.

Einige Stunden später, am Ende des langen Tages, sahen wir Jean-Marie Marquet wieder. Und wie lautete seine Bilanz? „Es lief schon bedeutend besser als 2018. Wir dürfen mit der Einhaltung des Zeitplans zufrieden sein. Und vor allem hat auch das Frühlingswetter mitgespielt, das Publikum ist auf seine Kosten gekommen.“

Viel Sonne und milde Temperaturen in Stavelot: Die stellenweise in Fünfer-Reihen am Wegesrand stehenden Zuschauer, schätzungsweise wieder rund 15.000 an der Zahl, sowie die mehr als 2.000 Zugteilnehmer kamen, trotz der gegenteiligen Wetterankündigungen, jedenfalls trockenen Fußes durch den närrischen Nachmittag.

Prägend für den Laetare-Zug in Stavelot sind die riesigen Fußgruppen, die mit ihren rhythmischen Tänzen und ihren farbenfrohen Kostümen erneut eine Augenweide waren und wie immer viel Stimmung machten. Der Eleganz-Wettbewerb, den das Festkomitee alljährlich ausschreibt, treibt die teilnehmenden Vereine in der Tat zu großen Anstrengungen an.

Die Themenpalette reichte von den alten Ägyptern über die Drachenbändiger, die Japaner in ihrem Land der aufgehenden Sonne, den Phantasia-Park und die traditionellen Clowns auf ihren komischen Radgestellen bis zu den Kathedrale-Erbauern.

Die unverwüstlichen Weißen Mönche krönten, wie immer den Umzug: Sie trieben ihren Schabernack mit dem Publikum, und viele bekamen Konfetti oder Schläge mit den getrockeneten Schweinsblasen ab. Wer da noch nicht genug hatte, ließ sich von den bunten Papierschnitzeln berieseln, die tonnenweise aus mehreren Rohren von zwei Wagen auf die Menge geblasen wurden. Da blieb niemand verschont, auch die Persönlichkeiten auf der Ehrentribüne nicht.

Als Apotheose präsentierten die Blancs Moussis anschließend auf dem Remaklus-Platz ihren Rundtanz, wo es am frühen Abend sprichwörtlich rund ging. Da vermischten sich zum Schluss auch die Feierwütigen mit den Weißen Mönchen, alle Jahre wieder ein schönes Bild.

Mit dabei waren erstmals auch die Damen der Tanzgruppe Hinderhausen. Sie defilierten zwar nicht im Zug mit, sondern belebten vorab mit ihren Darbietungen die Stadt sowie den Empfang der Ehrengäste im Festzelt. In diese Rolle schlüpften auch die RTL-Fanfare und die Tanzformation „Le Réveil Ardennais“ aus Stavelot. Wie kam die Verpflichtung der Hinderhausener zum diesjährigen Laetare zustande? Ein Vereinsmitglied klärte auf: „Wir kennen die örtliche Tanzgruppe von Stavelot und sind schon mal in der Vergangenheit mit ihnen aufgetreten.“

Nach dem Straßenkarneval verlagerte sich das lustige Treiben ins Festzelt und in die Kneipen sowie in die altehrwürdigen Kellergewölbe der ehemaligen Abtei, wo die Nacht bei Musik am laufenden Band zum Tage gemacht wurde. Da durften die Weißen Mönche auch ihre Masken, hinter die sie bis dahin ihr Gesicht verborgen hatten, ihre Konfettitaschen und ihre Schweinsblasen-Bündel endlich ablegen.

Und diejenigen, die früher nach Hause wollten oder mussten, genossen aber noch das Feuerwerk am Himmel über Stavelot.

Laetare Stavelot

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